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Michael Rösch im Interview: „Ich organisiere und stemme mein Training selbst“

23.06.2010 Viktoria Franke
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Michael RöschIm Interview mit Michael Rösch spricht dieser mit uns über seine Saisonvorbereitung, den letzten Winter, seine neue Aufgabe als „Modedesigner“ und die Fußball-WM.

Micha, dieses Jahr musst Du Dein Training größtenteils selbst planen. Wie sieht das bei Dir aus?

Ich hab von Anfang an alles selbst in die Hand genommen, auch während die Weltcup-Saison für die anderen noch lief. Was sich ein wenig geändert hat, ist, dass ich oft in Norwegen bin um dort auf Ski zu trainieren. Ansonsten bleib ich bei den allgemeinen Trainingsmitteln. Ich muss hier das Rad ja nicht neu erfinden!

 

Wie ergeht es Dir damit, jetzt ohne Mannschaft in Oberhof oder im A-Kader zu trainieren?

Eigentlich recht gut. Ich bin frei und kann so trainieren, wie ich es gerade brauche. Ich versuche derzeit, die gute Mitte zwischen dem norwegischen und dem deutschen Trainingsstil zu finden. Und ich muss ehrlich sagen: Es macht Spaß, mein eigener Chef zu sein.

 

Bis zur Deutschen Meisterschaft hat der B-Kader keinen gemeinsamen Lehrgang – könnte das zum Problem werden?

Das glaube ich nicht. Wir organisieren halt bis dahin alles selbst und jeder trainiert so, wie er es selbst für richtig hält. Was rauskommt, sehen wir dann zur Deutschen.

 

Michael RöschWie motivierst Du Dich nach so einem „verkorksten“ Winter für den kommenden?

Das fiel mir irgendwann recht leicht. Im letzten Winter habe ich mir – auf gut deutsch gesagt – vor den Bug geschissen gefühlt. Da hat sich irgendwann kein Trainer mehr für mich interessiert oder mal nachgefragt, wie es mit dem Training läuft. Aber dem trauere ich nicht hinterher. Das war eine Lehrstunde und hatte eben seine schlechten, aber auch seine guten Seiten.

 

Der IBU-Cup scheint Dir zumindest den Spaß am Biathlon zurückgegeben zu haben.

Das stimmt. Ich muss natürlich ehrlich sagen, dass ich Angst davor hatte, wieder in die „kleinere Klasse“ zurückzugehen. Aber es war einfach eine coole Zeit mit einer richtig tollen Mannschaft. Da kann ich auch ganz ehrlich sagen, dass ich vorher kein gutes Verhältnis z.B. zu einem Daniel Graf hatte, aber es war einfach unfassbar, wie die Zeit im IBU-Cup uns alle zusammengebracht hat. Das hat definitiv mannschaftlich besser hingehauen, als im Weltcup.

 

Dennoch ist der Weltcup – selbst wenn er weniger Spaß macht – sicher wieder das Ziel für diese Saison?

Absolut. Dafür sind wir Profisportler geworden, dass wir nach oben wollen in den Weltcup. Und ich denke, ich bin auf einem guten Weg, auch wenn ich vieles allein mach.

 

Michael RöschSind Dir die Sponsoren treu geblieben – trotz der letzten Saison?

Ja, bisher haben alle ihre Bereitschaft signalisiert, dass sie mit mir weitermachen wollen. Die finalen Verträge stehen noch aus, aber diese Zusicherungen sind für mich natürlich wichtig, wenn ich jetzt finanziell auch alles selbst stemmen muss.

 

Auch wenn die Sponsoren die alten sind, einen neuen Weg bist Du dennoch gegangen. Wie man hört, bist Du jetzt Modedesigner?

(lacht) Das hört sich natürlich komisch an, aber es stimmt in etwa. Ich hatte schon mit der Firma StreetwareZone für meine Fanmütze zusammengearbeitet und irgendwann haben sie gefragt, ob ich mir eine eigene Kollektion vorstellen könnte. Ehrlich gesagt, konnte ich mir das am Anfang nicht vorstellen, aber irgendwann hat mir das doch gefetzt.

 

Die Motive, die meist Deinen Tattoos entsprechen, sind ja recht privat, würdest Du sowas selbst anziehen?

Vielleicht nicht die Sachen mit meinem Namen drauf, aber den Rest finde ich schon cool. Ich hab das Design halt – auch unter Mithilfe meines Bruders –  ausgekaspert und klar sind da meine Tattoos aufgedruckt, aber das ist mir eigentlich wurscht. Ich habe es mehr für die Fans gemacht, denn da kamen die letzten Jahre schon immer viele Emails, dass sie die Tatoos cool fänden und Ideen für T-Shirts oder ähnliches hätten. Wir werden sehen, wie das jetzt läuft.

Der Shop läuft jetzt an, was steht sonst im Sommer noch für Dich auf dem Programm?

Erstmal weiter trainieren und Kilometer schrubben. Ich fahr auch nochmal nach Norwegen und nach Andermatt in die Schweiz, um zu trainieren. Der erste Wettkampf wird dann das Blinkfestivalen in Sandnes sein. Danach weiß ich mehr, wie es bei mir läuft.

 

Noch ein letztes Wort zur Fußball-WM: Wie viel schaust Du, trotz Training und Reisen?

Recht viel! Ich hab mich gefreut, dass es endlich los ging. Und jetzt kann ich meinen Trainings-Tag ja selbst einteilen und muss nicht immer 8:30 Uhr und 14:30 Uhr trainieren. Das kann man ganz gut um den Fußball herumplanen. Zumindest manchmal! (lacht)

 

Zum Michael Rösch Shop von StreetwareZone