| Just for Fun: Live-Ticker der SZ | ||||
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Live-Ticker der „Süddeutschen Zeitung“ am 21.02.2006 während der olympischen Biathlon-Herren-Staffel Wo ist Biathlon? Wir gucken Staffel! Die deutschen Biathleten greifen nach Gold - in der 7,5-Kilometer-Staffel. Wir sitzen vor der Glotze und gucken zu. Ein Ausfluss reinster Herzen.
12.05 Uhr: Die Norweger bärenstark. "Dabei nehmen die gar nix", sagt der Sportchef. Aber Ricccccoooo ist dabei, hängt sich in den Windschatten. Gleich geht's zum ersten Schießen. Die Bildredakteurin bringt einen Kaffee vorbei. Als ob das jetzt nötig wäre.
12.07 Uhr: 1. Schießen! Ricco: Nuuuulllll!!!! Jubel in der Redaktion. Deutschland in Führung. Der Ami namens Hakkinen ist eine Sekunde hinten dran. Gleich dahinter? Ein Pole! Den Namen kann keiner entziffern. Und wo ist Norwegen? Wo ist Russland? "Bärenstark, nutzt aber nix", sagt der Sportmann. Inzwischen ist der Praktikant herbeigeeilt. Er zeigt wenig Interesse. 12.10 Uhr: Morawec auf Platz 4? "War der nicht mal bei der ARD und hat 'Wo ist Behle' gerufen", fragt der Kulturmann. "Hat sich gut gehalten", kontert der Mann vom Sport. Und der Ami will den Ricco überholen! "Spinnt der? Der hat wohl ein buckliges Ei gefrühstückt", sagt der Mann aus der Kultur.
12.13 Uhr: "Ricco macht sein Tempo", sagt der ARD-Moderator. "Naja, das vom Hakkinen wird er wohl nicht machen können. Das wär ja was", sagt der Sportmann. Aber da läuft tatsächlich Hakkinen am Riggggo vorbei. Der ist zwar unser neuer Lieblingsamerikaner, aber der soll's mal nicht übertreiben. Gleich kommt das zweite Schießen. Kurz kommt der Mann aus der Politik rein. Erzählt was von der Vogelgrippe. "Raus!", heißt es da nur kurz.
12.15 Uhr: Fahrkarte Tschechien. Fahrkarte Polen. Hakkinen ist Erster. Unglaublich. Aber Riggo bleibt dran. Nur 5 Sekunden dahinter. Dann kommt auch schon Morawec. "Unser Lieblings-Bruno", stellt der Sportmann fest. Die Russen nur an Sieben. Und Norwegen? "Nix gesehen", sagt der Kulturmensch.
12.17 Uhr: Der Hakkinen ist anscheinend ein ziemlich Bekannter. Juniorenweltmeister und so. Aber im Einzel hat er erst 5 Fahrkarten geschossen und dann sein Gewehr zerlegt. Ein kleiner Heißsporn. "Macht nix, die anderen drei Amis luschen ab", weiß der Kulturmann. Seit wann kennt der sich aus im Sport? Gleich kommt der erste Wechsel.
12.18 Uhr: Fischers Fritz an der Strecke: Unser Lieblings-Co-Trainer schalmeit die bayerischen Idiome durchs Tal: "Auffi, Rigggo, den holst etz. Der Russ is zwanzg Sekunden dahinta! Gemmma!" So lieben wir den alten Fritz.
12.20 Uhr: 1. Wechsel:
12.22 Uhr: Nun ist Michi Rösch in der Loipe. Auf geht's, Michi! "Der Rösch ist kein Schießer", weiß der Mann aus der Kultur. Aber ein Läufer. "Der Ami schmilzt dahin", ruft der Sportchef. Also sein Vorsprung. Gleich ist die Lücke zu. Langweiliger Kommentar auf der ARD, irgendwie. Keine Stimmung.
12.26 Uhr: Die Praktikantin geht lieber essen. Dafür ist der Geschäftsführer voll dabei. Er kommt aus einer Sitzung herein. Er will wissen, wer zuerst für Deutschland gelaufen ist. "Ricco, seit 16 Jahren", rufen wir ihm entgegen.
12.28 Uhr: 1. Schießen. Jawohl, Treffer, Treffer, Treffer, Treffer, Treffer! Herrgott, ging das schnell! Fünf Volltreffer! Die anderen müssen nachladen! "Jaaaaaaaaa", schreit der Politikredakteur. "Die Amis schießen wie Dick Cheney", sagt der Politiker. "Nur, dass die hier nachladen dürfen", legt der Sportchef nach. Deutschland in Führung, dann Tschechien und Italien. Aber Norwegen kommt. Rogge telefoniert. "Sieht ganz schön alt aus", sagt der Politiker. Ging bestimmt nicht ums Mittagessen.
12.30 Uhr: Rigggggo freut sich! "Gute Leistung seines Jüngsten", weiß der ARD-Mann. Süüüüüüß! "Die Norweger haben eine Gold-Blockade", weiß der Politikmann. Was der alles weiß. Zu Olympia kommen sie alle und wissen Bescheid. Haben ja alle mal im Sport angefangen.
12.31 Uhr: Der Italiener kommt uns ganz schön spanisch vor: Vuillermoz heißt der Gute! "Eingeitalienert wahrscheinlich", sagt der Sportler. Und der Tscheche geht an Michi Rösch vorbei. Darf der das? Klar, darf er. "Als Erster vorbeischießen", sagt der Sportler. Der Praktikant sagt gar nix mehr, er ist gefangen von der Spannung. "Ich muss erst das Prinzip verstehen", sagt er. "Du sagst was, und wir schreiben's auf. Im Prinzip ist das die Regel."
12.34 Uhr: Zweites Schießen! 5 Treffer! Wahn-sinn! Schnell! Gut! Toll! Rösch! Er führt! "Der Tscheche schießt ja sein Magazin leer, lädt und lädt und läääääädt!" Sogar eine Strafrunde! Italien 21 Sekunden dahinter! Polen 30! Und die Russen kommen! "Im Keller ist der Russe gefährlich", sagt der Kulturmann. Der Politiker faselt gleich was von Zwei-Fronten-Krieg, weil Russland und Frankreich hinter den Deutschen her sind. Aber: Es sieht gut aus für die Deutschen!
12.36 Uhr: "Das ist ja wie bei Matrix", sagt der Politikchef. "Bullett Time!" Inzwischen Aufmarsch Sven Fischer mit seinem Kopfverbands-Stirnband. "Fehlt nur noch ein rotes Kreuz vorne drauf", sagt der Politiker. Und Fritz Fischer ist voll dabei: "Zieh drüber jetzt, hoppa!" Kilometer 6,7 ist unser Lieblings-Kilometer, weil da der Fischer Fritz steht. Super, der Mann! Gleich wird wieder gewechselt.
12.40 Uhr: 2. Wechsel:
12.41 Uhr: Wir haben einen neuen Lieblings-Italiener: Paulo Longo! Aber: keine Witze mit Namen, wir sind schließlich eine ordentliche Redaktion.
12.45 Uhr: Was für ein Schlachtruf: "Hopp Fisch" - und das unserem Sven. Und wie er wieder schießt! Bis zum dritten, der ging in die Wüste, einmal nachladen - und ab. "Fischer ist schneller als die Grafik." Halleluja, der Praktikant lebt! Und er spricht doch! "Paulo Longo schießt ein bisschen shorto." Weia, weia.
12.49 Uhr: "Bewusst auf Zug laufen! Laufen. Hopp. Jawoll." Sie ahnen es: unser Lieblingsfischersfritz, endlich jetzt mal im Close up der Fernsehkamera. "Wer ist das?", fragt der Praktikant, und bekommt das geballte Fachwissen der Redaktion an den Helm. Und er fragt weiter: "Nehmen die eigentlich alle das selbe Doping-Mittel?" Das Fass können wir jetzt aber nicht aufmachen, das dauert zu lange. Zweites Schießen für den Fisch.
12.53 Uhr: Und was für ein Schießen! Fischer mit einer Fahrkarte nach der anderen, Strafrunde. "Der Idiot", traut sich der Praktikant. Der Russe kommt, 26 schlappe Sekündchen nur noch bis zum Bundes-Sven. Allgemeines Ensetzen am Tisch: "Ich brauch jetzt ne Kippe", jammert Mr. Sport. Maria, die Trobbe!
12.56 Uhr: Jetzt kommt wieder ein Schwung aus der Kantine - wie kann man bei einem solchen Rennen bloß ans Essen denken? Rösch muss ins Interview, erzählt irgendwas von "volle Hütte gerannt" und "rausgerotzt" - woraufhin der Chef meint: "Mei, der Rotz gehört halt zum Biathlon." Tja.
12.59 Uhr: Jetzt kommt gleich unser nächster Olympiasieger, der Greis Michi mit dem netten Allgäuer Dialekt. Von dem werden wir aber zunächst mal nix hören. Fischer übergibt als Erster, doch der Russe taucht schon am Horizont auf, 18 Sekunden zurück. "Ach herrje." Angst greift um sich: "Am Ende ist der Russe aber oft am schnellsten." Und die Franzosen sind auch nicht mehr weit weg. Nur die Norweger zählen noch ihre Fahrkarten. Noch jemand ohne Fahrschein? Ach Gott, ein Spaß.
13.03 Uhr: Kruglov heißt der Feind. Nicht, dass wir ihm was Böses wünschen. Aber so ne Fahrkarte ist doch was Wunderbares, oder? "Wie lange dauert's denn noch?" Auch die Praktikantin ist noch nicht vom Biathlon-Fieber befallen. "Der rennt ja immer noch." Sven Fischer joggt im Ziel rum - nur: wohin?
13.06 Uhr: "Gibt's das auch als Breitensport?", fragt Mr.Politics. "Nee, brauchst ja ne Anlage. Oder du machst so nen Wachtel-Biathlon wie der Cheney."
13.10 Uhr: "Der hat schon viele Staffeln nach Hause gelaufen." Mr. ARD macht uns Mut. Er versucht's immerhin. "Mein Puls ist so hoch wie der vom Greis", jammert Mr. Sports. Fischersfritz ist noch recht ruhig, pusht den Greis Michi recht moderat. Hopp, auf geht's und so. 21 Sekunden bis zum Franzos. Greis beißt auf die Zähne. Einmal Schießen noch. Mannomann.
13.12 Uhr: "Alles Unwichtige jetzt ausblenden", empfiehlt Mr. ARD. Na klar, er wird kaum überlegen, ob er das Licht zu Hause ausgemacht hat. Fahrkarte! "Alter, triff das Ding!" Und Michi trifft. Der Russe bleibt dran, 18 Sekunden. Und Poiree schießt jetzt wie ein Norweger. Ist ja auch mit einer verheiratet: Klar Schatz, ich bring dir ne Fahrkarte mit.
13.16 Uhr: 18 Sekunden Vorsprung. "Jetzt fliegt er bestimmt hin." Leicht fatalistische Anflüge beim Prakti. "21 Sekunden - das kann auch der schnellste Russe nicht aufholen." Danke, ARD, endlich mal gute Nachrichten. "Hopp, zieh drüber, das ist fast daheim." Genau: Das war wieder der Fritz.
13.23 Uhr: Jubelbilder von den Germans. Fischersfritz liegt aufm Buckel, macht einen "Rückenglatscher", wie die ARD weiß. Geballte Fäuste, breite Grinsen. "Ende gut, alles gut. Die Goldgräber aus Deutschland." Danke, ARD.
13.29 Uhr: Interview-Time. Michi Rösch grüßt erstmal in die Heimat nach Thüringen: "Ihr habt ja gesehen, was los war." Und dann müssen die Jungs zur Siegerehrung dürfen. Und wir zum Mittagessen. Mahlzeit! Quelle: www.sueddeutsche.de |
| Aktualisiert ( Samstag, den 10. März 2007 um 16:36 Uhr ) |








