Erster WM-Start, erste Medaille: Tina Bachmann sprang nach einer schwierigen Saison in Khanty sofort aufs Podest, mit der Staffel wurde sie zusätzlich Weltmeisterin. In Oslo konnte sie ihre Medaillen derzeit nur bewundern, weil ihre Kiste mit Brotbackautomaten und Nahrungsmitteln statt nach München Richtung Holmenkollen geschickt wurde. Trotz Medaillen in der Hand - begriffen hat sie deren Bedeutung noch nicht ganz, wie sie im Interview verriet.
Tina, nach dem Verlauf Deiner Saison – hättest Du mit diesen zwei WM-Medaillen gerechnet?Nie und nimmer. Aber scheinbar ist es wirklich so: Wenn man es am wenigsten erwartet, kommt so ein Resultat. Vielleicht auch einfach, weil man keinen Druck mehr hat…
Aber hat man den denn nicht, wenn man weiß, dass man nur eine einzige Chance hat?
Du hast es gerade gesagt: Ich habe es als Chance gesehen. Da hat mir Simi [Simone Hauswald] viel geholfen. Ich hatte mit ihr darüber vor dem Massenstart in Whistler geredet und sie hat mir gesagt, dass sie es einfach als Chance sieht. Auch Cathleen Martini hat mir geraten, es einfach zu genießen. Eigentlich ist das ganz witzig: Wir hatten beide ein schlechtes Jahr und kommen nun mit Silber und Gold heim – sie aus Königssee und ich aus Khanty.
Trotz des Genusses: So ein letztes Stehendschießen gerade dann zu zeigen, wenn es drauf ankommt – das verlangt Nervenstärke!
Ich konnte glücklicherweise alles ausblenden und mich auf die Abläufe konzentrieren. Das erste Schießen war noch unkonzentriert und da wollt ich es einfach besser machen.
Denkt man da schon an das nächste Schießen, wenn man auf der Strecke ist?
Zumindest nach dem ersten Stehendschießen war es so, Nach dem Liegend war es anders, da konnte ich mich auch einfach mal auf die Technik konzentrieren. Fritz Fischer stand auf der Strecke und hat mir optisch ein paar Technikhinweise gezeigt, da konnte man sich gut vom Schießen ablenken.
Der Verlauf Deiner Saison war nicht so zufriedenstellend – freuen Dich die Medaillen da umso mehr?
Absolut. Gerade nach den USA war ich psychisch kurz vorm Durchdrehen. Neben ein paar anderen Problemen war ich natürlich auch enttäuscht, dass ich meinen Erwartungen nicht gerecht werden konnte. Ich hab mir dann irgendwann zwischendurch gedacht: Wenn Du da wieder erstarkt rauskommst, hast Du es wirklich geschafft. Und dafür werden diese Medaillen immer ein Beweis sein.
Hängst Du sie also gut sichtbar daheim auf?
Nein, die werde ich wegpacken, wie all die anderen. Ich habe ja noch nicht so viele Auszeichnungen, eher im Kinderbereich, da hab ich viel abgesahnt. Aber ansonsten sind das neben EM-Medaillen meine ersten großen Auszeichnungen. Ich will sie dennoch nicht immer anschauen, sondern lieber rausholen, wenn es mir schlecht geht und wenn ich mich daran erinnern muss, was möglich ist.
Wer hat Dir eigentlich als erstes gratuliert?
Anne Preußler war die Erste, die mir eine SMS geschrieben hat – und das an ihrem Geburtstag! Auch die vielen Gästebucheinträge haben mich gefreut, da habe ich wirklich jeden einzelnen gelesen. Von Fans, von ehemaligen Lehrern und Schul- oder Trainingskameraden. Das hat mich wirklich gefreut.
Du machst viel im mentalen Bereich – kannst Du das ein wenig erklären?
Einerseits mache ich mit AVWF Mentaltraining, um mich auf die Wettkämpfe einzustimmen, andererseits arbeite ich mit einem Psychologen, der Hypnose-Training macht. Da hat er in der Vorbereitung auf Khanty auch viel mit meinem Bundespolizei-Trainer Engelbert Sklorz geredet, um mich genau auf das Schießen vorbereiten zu können. Diese beiden Wege haben mir viel geholfen, aber ich habe auch sonst ein super Umfeld, das mich immer unterstützt hat. Grad mit meinem Heimtrainer Arne Kluge kam in diesem Jahr ein frischer Wind ins Training, das ist ein gutes Arbeits- und Vertrauensverhältnis mit ihm. Und das ist jetzt ein schöner Lohn.
Hast Du diesen „Lohn“ schon verarbeitet?
Nein, noch gar nicht. Nach den Gästebucheinträgen ist es mir ein wenig klarer geworden, aber ich freu mich wirklich auf den Moment, wo ich aufwache und feststelle: Du bist Weltmeisterin! Der wird noch kommen müssen….