Time to say goodbye…

19.03.2007 Viktoria Franke
biathlon-online.de – Das Biathlon Portal in DeutschlandRückblick Saison 2006/2007Time to say goodbye…
Sergej Tchepikov Schon nach dem Weltcup in Pokljuka hieß es Adé für den zweimaligen Olympiasieger und eifrigen Medaillensammler Sergej Tchepikov. Zur WM in Antholz nur noch als Zuschauer im Einsatz, verabschiedete sich der 40-jährige Russe vorzeitig aus der Saison und aus dem Spitzensport. Ein Abschied, der in Zeiten eines tiefen Konflikts zwischen Mannschaft und Verband kam und dem schon Pavel Rostovtsev hatte Tribut zollen müssen, als er vor Saisonbeginn zurückgetreten war. Ein weiteres Armutszeugnis des Russischen Verbandes, zwei über Jahre Top-Resultate einfahrende Athleten so in die Sportlerrente zu entlassen. 
Linda Grubben Den Anfang bei den Frauen machte mit Linda Grubben eine, die den Spruch „man sollte aufhören, wenn's am Schönsten ist" ganz neue Dimensionen verlieh. Nicht nach der Saison hörte sie auf. Nein, nach der Weltmeisterschaft in Antholz schon sagte sie „Ha det!" – und das, wo es doch dank einer kompletten Medaillensammlung wirklich gerade so schön war. Nur wenige Personen kannten ihren Entschluss, der schon seit November feststand und so rührte sie auch eine Konkurrentin wie Andrea Henkel zu Tränen, die einfach nicht glauben konnte, dass die Norwegerin sich „so jung" schon vom Weltcup verabschieden würde. 
Raphael Poiree Parallel gleich der nächste Schlag für den Biathlonsport, denn mit Raphael Poirée kündigte ein weiterer Athlet während der Antholzer Tage seinen Rücktritt an. Für ihn sollte jedoch erst am legendären Holmenkollen der letzte Startschuss ertönen. Und mit einem furiosen letzten Wettkampf gegen zwei seiner ärgsten Konkurrenten – Ole Einar Bjoerndalen und Sven Fischer – verabschiedete er sich ein für allemal nach Hause zu seiner Frau Liv Grete und den beiden Töchtern. Allen Hoffnungen zum Trotz bewies er Rückrad und ging nicht mit nach Russland. Er habe es seiner Tochter versprochen und „man sollte ein Kind nie anlügen!"
Blieben schon beim Weltcup in Oslo wenige Augen trocken – nicht einmal das des sonst so gefassten Franzosen, so wurde Khanty Mansiysk zu einer Bewährungsprobe für jeden Biathlonfan. 
Willy Pallhuber Schon beim Sprintrennen startete die Italienerin Katja Haller mit einem „Ciao Willy" auf der Wange ins Rennen. Denn mit dem fünfmaligen Weltmeister Willy Pallhuber würde der beste italienische Biathlet aller Zeiten endgültig seinen Abschied geben. Schon in Antholz hatte er überlegt aufzuhören, dort in seinem Heimatort vor Familie und Freunden. Doch noch ein letztes Mal zog der Carabinieri mit dem Weltcuptross mit und ließ sich nach einem 18. Platz im Sprint beim Verfolgungsrennen Zeit, um sein letztes offizielles Rennen genießen zu können. Wie sagte es ein italienischer Fan so schön? "Mit diesem Evergreen hört ein Stück Biathlon-Geschichte auf." Wohl wahr – sind doch schon 22 Jahre seit seinem ersten Weltcupeinsatz vergangen…
Katrin Apel Der Tag nach dem Verfolgungsrennen war schließlich der härteste, vor allem für die deutschen Fans. Den Anfang machte Katrin Apel, die bei ihren abschließenden Rennen noch einmal ihre ganze Klasse bewiesen hatte und sich den Wunsch erfüllte, ein letztes Mal bei den Siegerehrungen anwesend sein zu können. Dieses Ziel erreichte sie schon in Sprint und Verfolgung und so konnte die mehrmalige Weltmeisterin und Olympiasiegerin den Massenstart befreit nach Hause fahren – Hand in Hand mit ihrer Mannschaftskollegin Simone Denkinger. 
Florence Bavarel-Robert 12,3 Sekunden hinter ihr beendete mit Florence Bavarel-Robert die erste und bisher einzige französische Einzel-Biathlon-Olympiasiegerin ihre Karriere. Ein herber Schlag für den Biathlonsport in Frankreich, der doch gerade erst mit den französischen Erfolgen in Turin anfing, mehr Begeisterung bei der Bevölkerung zu wecken. Doch auch ihr Abschied kam, wie schon zuvor Grubbens, auf der Höhe ihrer Karriere. Die letzte fabelhafte Saison im Rücken, kehrte sie auch dieses Jahr mit drei Silbermedaillen von den Weltmeisterschaften in Antholz nach Hause zurück.  Ganz leise verabschiedete sich auch ihr Ehemann Julien Robert vom aktiven Biathlonsport. Zuletzt mit Olympiabronze in der Staffel dekoriert, hinterlässt auch er eine Lücke in der bis dato so starken französischen Mannschaft.
Harald Böse Mit einem seiner Schützlinge geht auch für den Co-Trainer der Damen, Harald Böse die Karriere zu Ende. Böse war über Jahre hinweg der Oberhofer Heimtrainer von Katrin Apel und Andrea Henkel und nahm somit eine wichtige Schlüsselposition im Team der Biathletinnen ein. Doch nun wurde es auch für ihn Zeit, dem ständigen Reise-Stress den Rücken zu kehren.
Ricco Gross Und zum Abschluss schließlich der Abschied des eifrigsten Medaillensammlers überhaupt: Ricco Groß hatte seit September keinen Zweifel daran gelassen, dass dies seine letzte Saison sein würde. Er war der Einzige, der von vornherein einen Schlussstrich gezogen hatte und sich so schon fast auf einer Abschiedstournee befand. Noch ein letztes Mal kehrte er mit einer Medaille von Biathlon-Weltmeisterschaften, noch ein letztes Mal nach Khanty zurück. Dem Ort, wo er 2003 seine Weltmeisterschaft feiern konnte. Doch all das war nach Abschluss des Rennens Nebensache. Er freute sich einfach auf Zuhause, auf die Familie.
Sven Fischer Sven Fischer hingegen entschied sich wie immer erst nach Saisonende, ob er weitermachen würde. Dieses Mal jedoch fiel die Entscheidung trotz der Hoffnungen seiner Fans zugunsten eines Karriereendes. Als Co-Moderator im ZDF wird er den Anhänger der deutschen Mannschaft jedoch weiterhin erhalten bleiben.

Vielen Dank Sven! Vielen Dank Euch allen!