Sauber bleiben – Gemeinsam gegen Doping!

09.07.2015 Ilka Schweikl
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GEMEINSAM GEGEN DOPING – Workshop beim Kati Nachwuchs Camp

Thomas Berghoff - NADABeim 3. Kati Nachwuchs Camp powered by Knauf ist es bereits Tradition, dass am Samstag ein Workshop auf dem Programm steht. Kati Wilhelm hatte für 2015 einen Referenten zu dem brandaktuellen Thema „Doping“ gewinnen können. Junge Athleten sollten frühzeitig informiert und aufgeklärt werden.

„Dass es keinen 100 % sauberen Leistungssport gibt, davon bin ich überzeugt, wie aktuelle Vorfälle in den unterschiedlichsten Sportarten zeigen“, sagte Kati und übergab an den Referenten Thomas Berghoff von der NADA (Nationale Anti Doping Agentur Deutschland). Thomas Berghoff gehört zum Präventionsteam der NADA; er hat in Köln Sportwissenschaften studiert, als Student im Kölner Labor am Institut für Biochemie gearbeitet und ist selbst Sportler. Berghoff verstand es von Beginn an die 17 Teilnehmer des Kati Camps 2015 in seinen Bann zu ziehen. Leicht verständlich und mit vielen Beispielen aus seiner täglichen Praxis angereichert referierte Berghoff über das komplexe Thema.

Wer oder was ist die NADA?

Die NADA (Nationale Anti Doping Agentur, mit Sitz in Bonn, gegründet 2002) setzt in Deutschland das von der WADA (Welt Anti Doping Agentur, mit Sitz in Montreal, gegründet 1999), aufgestellte Regelwerk um.

Thomas Berghoff - NADADie Arbeit der NADA basiert auf vier Säulen:

1) Prävention: 4 Mitarbeiter
2) Recht: 5 Mitarbeiter
3) Medizin: 3 Mitarbeiter
4) Doping-Kontroll-System: 10 Mitarbeiter.

Die Dopingkontrollplaner der NADA sind in erster Linie für die Planung, Koordinierung und Überwachung von Dopingkontrollen zuständig; vor Ort bei den Athleten werden die Kontrollen von einem sportunabhängigen Dienstleister übernommen, der die Proben zur Analyse an ein WADA-akkreditiertes Labor schickt.

Neuer NADA-Code seit 1.1.2015

Seit 1.1.2015 gibt es den neuen NADA-Code und seitdem übernimmt die NADA bei den deutschen Verbänden nicht nur Trainings-, sondern auch Wettkampfkontrollen. Trainingskontrollen werden bei Bundeskaderathleten durchgeführt, Wettkampfkontrollen bereits auf regionaler Ebene. Wichtigste Änderung im neuen NADA-Code ist, dass bei einem absichtlichen Regelverstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen grundsätzlich eine Regelsperre von vier Jahren gilt (früher: zwei Jahre); ferner gelten drei Meldepflicht- und Kontrollversäumnisse innerhalb von 12 Monaten als Verstoß (früher: innerhalb 18 Monate).

Was ist eigentlich Doping?

Thomas Berghoff - NADADie jungen Nachwuchstalente arbeiteten aktiv bei dem Workshop mit und auf die Frage von Berghoff, was Doping eigentlich sei, erarbeitete man die Antwort: „Doping ist, wenn sich ein Leistungssportler durch verbotene Substanzen oder unfairen Methoden einen Vorteil verschafft“. Dass sich solch verbotene Substanzen im Zweifel bereits in jedem haushaltsüblichen Medizinschrank finden, überraschte die Teilnehmer. Berghoff belegte dies mit Anschauungsmaterial von scheinbar harmlosen Erkältungsmitteln, die sogar auf der Verpackung angegebene verbotene Substanzen enthalten. Bei Medikamenten, auch bei frei verkäuflichen und homöopathischen, sollte der Sportler vor der Einnahme mit Hilfe der Medikamenten-Datenbank NADAmed prüfen, ob nicht verbotene Substanzen enthalten sind. Die Verantwortung liegt beim Sportler, nicht bei seinen Eltern, nicht bei seinem Trainer oder Betreuer und auch nicht bei seinem Arzt, sondern ganz allein bei ihm, auch wenn er unwissentlich eine verbotene Substanz zu sich genommen hat. Der Athlet muss sich dieser Verantwortung stets bewusst sein. Im Sinne eines fairen Sports ist Doping ein „No Go“.

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) nur mit fachlicher Betreuung

Thomas Berghoff - NADABerghoff sagte, dass er nicht erst seit dem Vorfall in Sotschi, bei dem die deutsche Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle durch eine solche Situation positiv auf eine im Wettkampf verbotene Substanz getestet wurde, in seinen Präventionsvorträgen vor der Einnahme von NEM warnt. Diese sollten keinesfalls nach eigenem Gutdünken, sondern nur auf Anraten eines Arztes nach vorheriger Diagnose einer Mangelerscheinung konsumiert werden. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass bei einer Mangelerscheinung entweder auf Arzneimittel zurückgegriffen wird, da diese besser kontrolliert werden als NEM oder dass NEM jedenfalls auf Verunreinigungen oder Fälschungen geprüft wurden. Thomas Berghoff machte klar, dass jeder Athlet selbst dafür verantwortlich ist, was in seinen Körper gelangt“ und dass Ausreden, wie: „Ich wusste nicht, wie das in meinen Körper kommen konnte“, nicht gelten.

Ganz egal, ob Nahrungsergänzungsmittel oder die Hausapotheke – es sollte grundsätzlich vorher die aktuelle Verbotsliste der WADA, die jährlich aktualisiert wird, zu Rate gezogen werden. Im Zweifel steht das medizinische Team der NADA unter medizin@nada.de immer für Auskünfte bereit. Auf der Homepage der NADA ist die App eingestellt, mittels derer man auch unterwegs auf die Medikamenten-Datenbank und die Kölner Liste zugreifen kann.

Thomas Berghoff - NADAInteressant für alle war der zum Abschluss anhand der mitgebrachten Originalutensilien gespielte Ablauf einer Dopingkontrolle. Berghoff erläuterte den jungen Teilnehmern des Kati Camps die Vorgehensweise step by step und Kati Wilhelm erzählte aus eigener Erfahrung.

Ein „cooler“ Vortrag

Die Teilnehmer fanden den Vortrag sehr interessant und „cool“ und sagten, dass die drei Stunden wie im Flug vergangen seien. Einige hatten in der Schule zwar bereits im Rahmen richtiger Ernährung eines Sportlers über Doping gesprochen, aber nicht in dieser ausführlichen und anschaulichen Form. Zum Abschluss wurde den Nachwuchs-Biathleten die GEMEINSAM GEGEN DOPING Athletenbroschüre und die Beispielliste zulässiger Medikamente, jeweils herausgegeben von der NADA, zum Nachlesen mitgegeben.

Weitere Informationen zur WADA findet man im Internet unter www.wada-ama.org und zur NADA unter www.nada.de