Wilfried Bock im Gespräch

07.07.2008 Viktoria Franke
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Wilfried BockFrüher war er selbst einmal Medaillengewinner bei einer Biathlon-Junioren-WM, mittlerweile ist Wilfried Bock ein "Trainer-Urgestein", wie man so schön sagt. Noch zwei Jahre hat der Stützpunkttrainer der Altenberger bis zur Rente, doch das hindert ihn nicht daran, für neue Trainingswege aufgeschlossen zu sein. Das bewies er zuletzt an diesem Wochenende, indem er seine Schützlinge Carsten Pump, Steve Renner und Nik Langer beim Rollski-Weltcup in Markkleeberg antreten ließ. Welche Fortschritte er sich durch diese Taktik erhofft und wie das Resultat der Drei einzuschätzen ist, erklärte er uns in einem Interview.

Wilfried, Euer Weltcup-Intermezzo ist schon wieder Geschichte – wie ist Deine Einschätzung nach dem Wochenende?

Mir war vor allem daran gelegen, dass Pumpi hier vorn mitlaufen kann und für Nik und Steve war es wichtig zu sehen, welche Leistung sie bringen können. Steve hatte die letzten Jahre krankheitsbedingte Defizite und Nik ist erst in den Männerbereich reingerutscht, hat also da natürlich noch Laufdefizite. Wie sie sich also verkauft haben, ist wirklich gut, vor allem da die Leistung aus dem vollen Trainingsprogramm heraus kam. Dass sie bei diesen Spezialisten hier nicht ganz vorn mitlaufen konnten, war klar.

Galt diese Vermutung auch für Carsten Pump?
Also bei ihm war ich mir eigentlich sicher, dass er ganz vorn mitmischen bzw. den anderen wegrennen kann.

Im Endeffekt führten Materialprobleme aber dazu, dass er am Ende doch nicht ganz vorn war…
Ich hatte mich nach dem Zieleinlauf schon gewundert was mit Carsten los war. Erst hatte ich gedacht, dass er sich vielleicht aus den Stürzen raushalten wollte, weil er am Ende nicht mehr ganz vorn mitgelaufen ist. Als ich dann von dem Problem mit dem Roller gehört hatte, war ich doch etwas überrascht von seiner Leistung.

Wilfried Bock und Nik LangerInwiefern?
Trotz dieses Problems hat er sich ja super verkauft. Er hat die 36 Sekunden Rückstand vom gestrigen Prolog noch auf der ersten Runde eingeholt und dann die Roller gewechselt. Diese 25 Sekunden hat er auch wieder aufgeholt! In Anbetracht dessen geht es in Ordnung, dass er sich am Ende aus dem Tumult vorn rausgehalten hat. Die Leistung an sich war ja aufgrund dieser Minute, die er da aufholen musste, schon enorm.

Was war genau das Problem bei seinem ersten Roller?
Das ganze Innenleben des Rollers hatte sich quasi zu einem Pudding aufgeweicht. Der Roller und auch der Gummi rund um die Felge war am Ende ein einziger Brei. Und so hat sich natürlich das Rad nicht mehr gedreht.

Stichwort Rollerski – die Leistung hier kam ja quasi aus dem Kalten heraus, oder? Bisher wurde doch noch nicht allzu viel mit Rollern trainiert?
Das stimmt, bisher stand das noch nicht allzu oft auf dem Trainingsplan. Und vor allem auf diesen speziellen Rollern konnten wir erst zweimal trainieren. An und für sich muss man da schon öfters Trainingseinheiten haben, aber dafür ist das Gelände in Altenberg nicht geeignet. Wenn man diese Modelle, die die Spezialisten hier laufen, in Altenberg verwenden würde, da würde es die Jungs mit bis zu 100km/h aus den Kurven heben!

Hier gab es etliche Stürze – hattest Du da nicht Angst, das die Jungs mitten in der Saison-Vorbereitung noch schwerer stürzen?
Naja, Du musst Dich bei dem Rennen ganz einfach aus dem Gefahrenpotenzial raushalten. Und das wissen die Jungs. Natürlich fahren die hier sehr aggressiv und machen die Wege zu, vor allem wenn man die Italiener ganz vorn sieht. Aber Carsten hat das bei seinen anderen Rollski-Rennen schon so gehandhabt; da hat er eher auf einen Sieg verzichtet, statt sich ins Gedränge zu stürzen. Gerade hier wäre das kreuzgefährlich, wenn vor dem Ziel noch immer 20 Mann um den Sieg kämpfen.

Carsten Pump Was bringt solch ein Wettkampf jetzt an möglichem Zusatzgewinn für die Vorbereitung?
Es ging vor allem darum, bei Pumpi mal einen anderen Weg zu gehen, als den, den wir die letzten drei Jahre gegangen sind. Da ging es immer um eine verstärkte Ausdauerleistung auf dem Rad oder im Cross. Bei ihm kam es jetzt darauf an, die Geschwindigkeitsbarriere, die sich auch im Biathlon ständig anhebt, noch einmal zu erhöhen. Nicht nur auf die Motorik bezogen bringt da so ein Wettkampf etwas, sondern es war auch mal wichtig, so eine hohe Geschwindigkeit über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Ich hoffe, dass das ein Trainingsmittel war, um dort mal einen Schritt weiter zu kommen.

Und welchen Schritt konnten die anderen beiden gehen?
Bei Steve und Nik ging es erstens um die Abwechslung und zweitens aber auch um den Vergleich zu Pumpi. Mit ihm haben sie einen Mann dabei, der im letzten Jahr bewiesen hat, dass er in die Weltspitze laufen kann. So ein Vergleich fehlt den beiden derzeit, da sie keinen Kaderstatus haben und sich somit nicht mit den anderen Weltcup- oder Europacupstartern messen können. Da war der Wettkampf hier ganz gut, dass sie mal sehen, wo sie stehen. Insgesamt haben sie diese Woche, zusammengerechnet mit den Wettkämpfen, gut 200km auf Rollski zurückgelegt. Und dass die Leistung im Endeffekt ohne spezielle Vorbereitung aus dem Training heraus erbracht worden ist, da können sie schon stolz sein.

Ein ganz schönes Pensum, geht das jetzt die Woche so weiter?
Nein, jetzt ist erstmal Ruhe bzw. reduziertes Training und dann geht's in großen Schritten Richtung Deutsche Meisterschaft.

Dann viel Erfolg – und danke für das Gespräch!