Biathlon-WM Korea: Jakov Fak im Interview

17.02.2009 Viktoria Franke
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Jakov FakOle Einar Bjoerndalen ist das Siegen bei einer WM gewöhnt, Christoph Stephan hat Weltcup- und JWM-Siegerpodeste schon feiern können. Während die beiden heute erfahren die Siegerehrung absolvierten, war einer mehr als verwirrt: Der 21-jährige Kroate Jakov Fak. Auf dem Podest stehend grinste er immer wieder zu seinen slowenischen Betreuern, so richtig was anzufangen wusste er mit sich nicht. Für Außenstehende unerwartet konnte der gute Schütze heute den Bronze-Platz belegen, musste jedoch mit einer niedrigen Startnummer lange Zeit im Ziel das spannende Rennen verfolgen, eh feststand, dass er gerade die erste nordische Medaille für Kroatien geholt hatte.

Jakov, wie steht es gerade um Deine Nerven?
Mittlerweile geht es, obwohl es natürlich sehr aufregend am Ende war. Aber realisieren kann ich es noch nicht, das ist wie ein Traum, der plötzlich wahr wird. Früher habe ich immer davon geträumt, Rennen mit Ole Einar zu bestreiten oder eine Medaille zu holen. Heute ist gleich beides geglückt! Einfach unfassbar…

Jakov Fak Was waren Deine eigentlichen Erwartungen vor der WM?
Meine Erwartungen haben sich eigentlich durch die Saison hinweg geändert. Nach einem guten Auftakt in Östersund wollte ich gern immer unter die Top30 oder 40 laufen, doch dann kam Hochfilzen und ein 16. Rang im Einzel. Damit verschoben sich natürlich die Ansprüche. Aber mit einer Medaille habe ich nicht geliebäugelt. Dass die so schnell kommen würde, hätte ich auch nie erwartet!

Inwiefern „so schnell"? Schließlich machst Du schon eine Weile Biathlon!
Das stimmt, ich bin 2000 vom Langlauf zum Biathlon gewechselt, weil dieser Sport damals in Kroatien aufkam und mich einfach interessierte.  Aber er hat in Kroatien keine richtige Basis, daher war auch eine Medaille weit in der Ferne für mich. Erst als ich letztes Jahr angefangen habe, mit dem Slowenen zu trainieren, konnte ich wirklich etwas erreichen und mich um 100% verbessern.

Wie kam es zu diesem Wechsel?
Ich war letzten Winter in Pokljuka schon recht gut und habe mich danach mit den slowenischen Trainern unterhalten. Irgendwann reifte dann die Idee in meinem Kopf, denn schließlich sind unsere Länder Nachbarn. Dann bin ich auf Sloweniens Biathlon-Direktor Borut Nunar zugegangen und habe mich erkundigt, ob das möglich wäre. Und er hat dann mit den Leuten in meinem Verband geredet und alles arrangiert.

Jakov FakInwiefern unterscheiden sich die beiden Länder was den Sport angeht?
In Kroatien habe ich ganz einfach nicht diese tollen Bedingungen. Um in Slowenien zu trainieren, muss ich nur zwei Stunden von meinem Heimatort Mrkopalj fahren und dort hat Biathlon einfach eine ganz andere Basis, eine ganz andere Professionalität.

Die Slowenen hätten Dich gern zu 100% im Team, denkst Du selbst auch über einen Nationenwechsel nach?
Nach allem, was sie für mich getan habe, denke ich natürlich darüber nach. Aber das ist keine Entscheidung, die man so leicht fällen kann. Ich werde sehen, was sich ergibt. Wenn, dann würde der Wechsel auf jeden Fall erst nach den Olympischen Spielen in Vancouver geschehen.

Du sprichst über die Slowenen stets mit glänzenden Augen, wäre das wirklich alles ohne sie nicht möglich gewesen?
Auf keinen Fall! Das ist zumindest meine Einschätzung. Sie haben mich super im Team aufgenommen und mein Trainingsprogramm total umgestellt. Damit war diese Leistungssteigerung erst möglich. Ich bin die glücklichste Person auf dieser Welt, denn ohne sie wäre das alles unmöglich.

Ist die Stimmung im Team auch dementsprechend gut?
Ohja, die ist super. Auch wenn sie mich manchmal ganz schön aufziehen, weil ich Kroate bin. Unsere beiden Länder haben immer mal wieder Probleme. Aber im Team selbst ist das immer nur Spaß.

Jakov FakDu scheinst als lockerer Typ auch gut in die Mannschaft zu passen. Kannst Du die Lockerheit auch am Schießstand bewahren?
(lacht) Locker bin ich schon, das stimmt. Und die ersten drei Schießen konnte ich das heute auch auf den Schießstand übertragen. Aber beim vierten hatte ich dann wirklich Angst, dass ich es nicht schaffen würde. Aber die Emotionen haben mich zum Glück nicht überwältigt und ich bin mit nur einem Fehler durchgekommen…

Auch jetzt bist Du noch nicht sonderlich von Emotionen überrannt…
Das liegt aber sicher daran, dass ich alles noch nicht realisiert habe. Man kommt ins Ziel, dann gibt es ein Interview nach dem anderen, die Siegerehrung, die Pressekonferenz. Man kommt nicht zum Nachdenken. Ich denke, das wird mir alles erst klar, wenn ich mit meiner Familie reden kann.

Dann feier Deine Medaille noch schön. Danke für das Interview!

 

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