Johannes Kühn im Interview

22.05.2009 Sam Brown
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Johannes KühnOlympia Vancouver 2010 ist nicht mehr weit und nach solchen Höhepunkten erfolgt fast immer eine Zäsur innerhalb der einzelnen Mannschaften. Doch wie ist es mit dem deutschen Biathlon-Nachwuchs bestellt? Gut bis sehr gut, das zeigen die Ergebnisse der Pokalserien und der ersten internationalen Wettbewerbe.

Johannes Kühn ist einer der jungen Biathleten, die im vergangenen Winter die deutsche Fahne bei den europäischen olympischen Jugendspielen in Polen vertreten durften. Im innerdeutschen Vergleich führt er seit drei Jahren die Pokalwertungen seiner Altersklasse an – für uns ein Grund, ihn hier und heute näher vorzustellen.



zur Person:
Kühn, Johannes
WSV Reit Im Winkl BSVC
geb.: 19.11.1991
Trainer: Fritz Fischer, Andi Stitzl

Erfolge:
EYOF Slask Beskidy 2009 – Sprint m: Platz 4
EYOF Slask Beskidy 2009 – Verfolgung m: Platz 7
EYOF Slask Beskidy 2009 – Mixed Staffel: Platz 1
DJM 2009 Sprint/Jugend 18/19m: Platz 3
DJM 2008 Sprint/Jugend 17m: Platz 1
DP 2008/09: Platz 1 (244 Punkte)
DP 2007/08: Platz 1 (281 Punkte)
DP 2006/07: Platz 1 (202 Punkte)
DSC 2005/06: Platz 3 (133 Punkte)
DSC 2004/05: Platz 10 (95 Punkte)
auch im Langlauf konnte Johannes etliche Erfolge erzielen: u.a. wurde er im letzten Winter Bayerischer Meister im Massenstart und gewann zum Saisonende beim Skadi Loppet in Bodenmais über 30 km die Juniorenklasse. In der Gesamtwertung wurde er Sechster und lag nur 5 Sekunden hinter dem Sieger aus Tschechien, dem Weltcup-erprobten Langläufer Dušan Kožíšek.

Johannes, Deine letzte Saison war recht erfolgreich, doch wann hast Du eigentlich mit Biathlon begonnen?
Biathlon mach ich seit 2002, vorher war ich schon ein paar Jahre mit Langlaufski unterwegs und habe da auch schon ein paar Kinderrennen bestritten. An Ostern 2002 hab ich dann ein Schnuppertraining "Biathlon" bei Fritz Fischer in Ruhpolding gemacht, so begann es.

Johannes Kühn Wieso hast Du Dich dann für Biathlon entschieden?
Als Kind habe ich im Sommer hauptsächlich Fussball gespielt und im Winter eben Langlauf oder Biathlon gemacht. Biathlon hat mir am meisten Spaß gemacht, weil es komplexer ist als "nur" Langlauf allein. Mit der Zeit war ich dann im Winter immer sehr erfolgreich und das Training ist auch im Sommer immer umfangreicher geworden, so dass dann irgendwann für Fussball keine Zeit mehr blieb.

Wie schätzt Du Dich selbst als Biathlet ein?
Naja, meine Stärken liegen ganz klar im läuferischen Bereich, Ausdauer, Technik, usw. Auch kann ich Änderungen, die der Trainer vorgibt, gut und schnell umsetzen. Schießen war bisher eher meine schwächere Seite, wohl auch, weil ich allgemein manchmal etwas ungeduldig bin und das ist beim Schießen nicht gerade hilfreich. Speziell liegend ging es in der abgelaufenen Saison aber schon deutlich besser.

Gehst Du neben dem Training noch zur Schule?
Ja, ich gehe zur Zeit in die 12. Klasse des König-Karlmann-Gymnasiums in Altötting und hoffe, dass ich in einem Jahr das Abitur schaffe. Neben den Freunden, die man in der Schule trifft, macht mir Englisch und Wirtschaft (meine Leistungskurse) und vielleicht noch Mathe und Religion am meisten Spaß. Sport natürlich sowieso, wohingegen ich Biologie zum Beispiel am wenigsten mag.

Wie gut klappt es, Sport und Schule parallel zu absolvieren?
Bisher klappt es schon ganz gut, vor allem wenn man bedenkt, dass die Voraussetzungen nicht optimal sind. Ich wohne nicht direkt in den Bergen und die Schule, die ich besuche, ist auch kein Sportgymnasium, sondern eine ganz normales Gymnasium. Deshalb habe ich immer sehr weite Wege zum Training und die Schule kann mich natürlich auch nicht so unterstützen, wie es an einer Sportschule gehen würde. Allerdings ist die Schule sehr bemüht, mir soweit es geht zu helfen und den Rest muss man halt gut organisieren. Bis jetzt hat das immer noch geklappt und das letzte Jahr kriege ich jetzt hoffentlich auch noch irgendwie hin. Speziell in den höheren Klassen und jetzt zum Abitur hin muss man aber auf beiden Seiten einige Abstriche machen. In der Schule bei den Noten und im Sport eben beim Training. Ich komme jetzt, so wie es aussieht, in den C-Kader und da gibt es viele Lehrgangsmaßnahmen, die ich sicher nicht alle mitmachen kann.

Hast Du schon Vorstellungen, was Du nach dem Schulabschluss machen möchtest?
Also zuerst mal will ich möglichst schnell das Abitur schaffen. Wenn ich es dann noch hinkriege, weiterhin gut im Sport zu sein, möchte ich natürlich gerne versuchen, es im Sport noch ein Stückchen weiter zu bringen. Dass man da versucht, zu einer Behörde zu kommen (Bundeswehr, Bundespolizei, Zoll), ist wohl der beste Weg. Aber so genau hab ich mir hier noch keine Gedanken gemacht.

Welche Vorbilder hast Du?
Ole Einar Björndalen, Emil Hegle Svendsen und Simon Schempp faszinieren mich am meisten. OEB, weil er natürlich der absolute Perfektionist ist und darüber hinaus auch über einen sehr langen Zeitraum kontinuierlich erfolgreich ist; bei Emil gefällt mir vor allem seine Coolness und sein jugendlicher Schwung, den er in die Biathlonszene reinbringt. Und Simon ist noch sehr jung und trotzdem schon erfolgreich und sehr konsequent.

Stammst Du selbst aus einer sportlichen Familie?
Meine Eltern sind schon recht sportlich, aber keine Leistungssportler. Meine achtjährige Schwester Paula geht auch schon gerne Langlaufen und ist eine einigermaßen begabte Leichtathletin.

Wie sieht Dein Leben neben Sport und Schule aus?
Privat mag ich vieles ganz gern: mich mit Freunden zu treffen, Kino, Kickern,…und natürlich interessiere ich mich für alle möglichen Sportarten neben Biathlon, Langlauf, Fussball, Badminton usw. Bei Musik bin ich nicht so festgelegt, mir gefällt einiges ganz gut, von HipHop über R&B bis Rock, meine Lieblingssongs zu Zeit sind Loose yourself von Eminem, Born to win von Pupoose und Pretender von den FooFighters. Am liebsten lese ich die "Nordic Sports" oder sonst was, das mit Sport zu tun hat. Außerdem natürlich noch die Schullektüren, aber insgesamt lese ich eher wenig.

Gab es schon Situationen, über die Du Dich besonders geärgert hast?
Beim Sport schon einige, vor allem, wenn ich mal wieder unnötig daneben geschossen habe. Bei der EYOF habe ich mich vor allem beim Verfolgungsrennen über die Bedingungen mit viel tiefen Neuschnee geärgert, vor allem weil ich dann auch noch den falschen Ski genommen habe.

EYOF 2009 EYOF war sicher Dein erster großer Wettkampf, woran erinnerst Du Dich trotz dieses Zwischenfalls besonders gern?
Natürlich war das etwas Besonderes, bei einem so großen internationalen Wettkampf starten zu dürfen. Neben den Wettkämpfen und dem internationalen Feeling insgesamt war ich vor allem von der Eröffnungs- und Schlussfeier (wo wir ja dann auch noch mit der Staffel zur Siegerehrung durften) besonders beeindruckt, da hatte ich mehrmals richtige Gänsehaut.

Du startest für Reit im Winkl, da gibt es nur drei Biathleten. Pendelst Du da jeden Tag, wie funktioniert das?
Also das mit Reit im Winkl hat sich dadurch ergeben, dass ich dort früher schon mit meinen Eltern beim Langlaufen war. Als ich dann beim ersten Langlaufrennen mitmachen wollte, war es klar, dass ich für Reit im Winkl an den Start gehe. Ich wohne 75 km entfernt im Flachland, bei uns gibt es meist nicht viel Schnee und keine Loipen. Das Training findet aber sowie so am Stützpunkt Ruhpolding statt. Das ist von uns aus nicht ganz so weit (ca. 60km) und meine Eltern fahren mich da eben mindestens viermal die Woche hin. Bestimmte Einheiten kann ich aber auch zuhause machen. Am Stützpunkt dann trainiere ich bei Fritz Fischer und Andi Stitzl, das ist für mich optimal. Für den C-Kader ist in diesem Jahr Steffen Hauswald zuständig, den kenne ich auch schon, weil er letztes Jahr schon den C2-Kader betreut hat. Unterstützt wird er auch noch von Engelbert Sklorz, der ist hier aus Ruhpolding und ein super Schießtrainer, ich bin also guter Dinge.

Was hast Du Dir für den nächsten Winter vorgenommen?
Also vor allem will ich die Schule zu Ende kriegen, damit ich mich dann noch mehr auf den Sport konzentrieren kann. Im C-Kader will ich natürlich gerne bleiben und versuchen, mit meinen Kaderkollegen mithalten zu können. Und läuferisch möchte ich mich auch gerne wieder ein bisschen mit den Langläufern messen.

Du wirst in einem halben Jahr 18, worauf freust Du Dich am meisten?
Aufs Autofahren!

Dann viel Spaß hinterm Steuer… Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg auch weiterhin!