Christina Maierhofer: „Freu mich auf das Duell mit den ‚Großen'“

26.06.2009 Viktoria Franke
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Christina MaierhoferOlympia Vancouver 2010 ist nicht mehr weit und nach solchen Höhepunkten erfolgt fast immer eine Zäsur innerhalb der einzelnen Mannschaften. Doch wie ist es mit dem deutschen Biathlon-Nachwuchs bestellt? Gut bis sehr gut, das zeigen die Ergebnisse der Pokalserien und der ersten internationalen Wettbewerbe.

Heute möchten wir Christina Maierhofer vom SC Bergen vorstellen, die im vergangenen Winter die deutschen Fahnen bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen (EYOF) in Slask Beskidy (POL) sehr erfolgreich vertreten hat. Auch wenn Christina aus einer sehr sportlichen Familie stammt und in ihrer Umgebung beste Bedingungen vorfindet, so sind ihre Erfolge trotzdem hart erarbeitet und man darf gespannt sein, wie sich Christina im Herbst bei den Deutschen Meisterschaften "der Großen" schlagen wird.

zur Person:
MAIERHOFER, Christina
SC Bergen, BSVC
Trainer: Fritz Fischer, Andi Stitzl
geb.: 13.07.1991

Erfolge:
EYOF Slask Beskidy 2009 – Sprint w: Platz 1
EYOF Slask Beskidy 2009 – Verfolgung w: Platz 2
EYOF Slask Beskidy 2009 – Mixed Staffel: Platz 1
DJM 2009 Einzel/Jugend 18/19w: Platz 1
DJM 2009 Sprint/Jugend 18/19w: Platz 2
DP 2008/09: Platz 3 (121 Punkte)
DP 2007/08: Platz 1 (160 Punkte)
DP 2006/07: Platz 5 (91 Punkte)
DSC 2005/06: Platz 2 (166 Punkte)
DSC 2004/05: Platz 1 (159 Punkte)

Die Übersicht Deiner Erfolge lässt schon auf eine sehr lange Biathlon-Karriere schließen, wann hast Du mit diesem Sport begonnen und warum ausgerechnet Biathlon?

Mit Biathlon habe ich vor acht Jahren begonnen. Langlaufen mache ich aber schon seit meinem 7. Lebensjahr. Zuerst war ich vier Jahre bei den Schülern unterwegs und seit 2006 bei der Jugend. Der Unterschied ist der, dass man im Schülerbereich mit dem Luftgewehr im Jugendbereich mit dem Kleinkaliber schießt. Als ich mit dem Langlauf begonnen habe, wollte ich natürlich auch an Wettkämpfen teilnehmen. Die Vorrausetzung dafür war, dass man Mitglied in einem Verein ist. In meiner Heimatstadt gab es das nicht und somit ging ich nach Bergen in den Skiclub. Da meine Verwandtschaft in Bergen wohnt, war dieser Skiclub optimal.

Christina Maierhofer In Deiner Gegend liegt sicher der Fokus eher auf dem alpinen Sport – hattest Du da jemals Ambitionen?
Für den alpinen Skisport habe ich mich noch nie so richtig intressiert. Als kleines Kind habe ich zwar einen Skikurs gemacht, wollte aber dann lieber Langlaufen, da meine ganze Familie Langlauf- bzw. Biathlonbegeistert sind. Mein Onkel Andi Stitzl war selbst erfolgreicher Biathlet. Somit wurde mir diese Sportart auch in die Wiege gelegt.

Und Langlauf war auch keine Option?
Nein, Speziallanglauf kam für mich nicht in Frage, da ich Herausforderungen liebe. Im Biathlon finde ich genau diese Herausforderung: Laufen und schießen.

Gehst Du neben dem Training noch zur Schule?
Ja. Zur Zeit besuche ich die 12. Klasse des Annette-Kolb-Gymnasiums in Traunstein. Ich werde also nächstes Jahr mein Abitur machen. Meine Leistungskurs-Fächer sind Sozialkunde und Biologie. In Biologie werde ich auch meine Facharbeit machen.

Schule und Sport, wie funktioniert das bei Dir?
Im Großen und Ganzen klappt es ganz gut. Ich bin auch sehr froh, dass ich von meiner Schule bestens unterstützt werde. Schulbefreiungen sind kein Problem und auch Nachführunterricht bekomme ich. Im Winter sowie im Sommer habe ich einige Fehltage. Um die Lücken zu schließen, werde ich von den einzelnen Fachlehrern unterstützt. Man muss auch dazusagen, dass meine Schule keine spezielle Sportschule ist, sondern eine ganz normale Schule, die aber trotzdem sehr sportbegeistert ist.

Was wirst Du nach dem Schulabschluß machen?
Natürlich habe ich mich auch schon darüber informiert was nach der Schule für Laufbahnen in Frage kommen. Hierbei gibt es drei Möglichkeiten: Zum einen die Bundeswehr – die für mich aber eher nicht in Frage kommt, der Zoll und die Bundespolizei. Ich finde die BuPol hat die besten Voraussetzungen, Ausbildung und Sport zu kombinieren. Aber ich habe ja noch ein Jahr Zeit, um mich zu entscheiden.

Ein paar Worte zu Deinem Training – gibt es eigentlich einen Schießstand in Bergen oder nutzt Ihr zum Training eher die nahe gelegenen Anlagen von Ruhpolding?
In Bergen gibt es keinen Schießstand aber eine Schützenhalle, die ich aber nur ganz selten nutze. Mein Haupttraining findet im Biathlonzentrum in Ruhpolding statt. Dort bin ich etwa 4-5 mal die Woche. Das restliche Training absolviere ich zu Hause in Bergen. In Ruhpolding habe ich dennoch die besten Vorrausetzungen für ein optimales Training: einen Schießstand, eine Rollerbahn und das neue Ricco-Groß-Haus mit einem Kraftraum und einem Laufband. Zudem ist Ruhpolding nur 20km von mir entfernt.

In den Altersklassen ändert sich Deine Konkurrenz ja selten, Ihr macht alle schon eine ganze Weile Biathlon, trefft Euch immer wieder zu den deutschlandweiten Wettbewerben. Wie kommt Ihr alle untereinander klar?
Ja das stimmt, es werden nicht mehr, sondern jedes Jahr weniger Biathletinnen. Das Verhältnis zu den anderen Mädels ist echt super. Man versteht sich untereinander sehr gut, da man sich ja auch in der Vorbereitung auf einigen Lehrgangsmaßnahmen trifft und sich so besser kennenlernt. Aber während des Wettkampfes sind wir natürlich alle Konkurrentinnen. Jeder möchte das Rennen gewinnen und achtet somit nur auf sich selbst.

EYOF 2009 Wie hast Du die Europäischen Olympischen Jugendspielen in Polen in Erinnerung?
Polen war für mich eine tolle neue Erfahrung und es war zudem auch mein erster internationaler Wettkampf. Als ich auf dem Treppchen gestanden bin und die Nationalhymne gespielt wurde, war ich sehr gerührt. Außerdem konnte ich Kontakte zu anderen Athleten knüpfen, die immer noch andauern. Als wir in Polen ankamen, herrschte das totale Schneechaos. Am ersten Trainingtag konnten wir nicht einmal das Biathlonzentrum besichtigen, weil die Passstraße zur Biathlonanlage gesperrt war. Der Schneefall machte auch vor den Wettkämpfen nicht halt und so waren es recht schwierige Bedingungen – nicht nur beim Laufen und Schießen, sondern auch beim Wachsen. Die Erfolge haben mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und zu Hause wurde dann groß gefeiert.

Du bist jetzt im C-Kader, was ändert sich dadurch für Dich?
Diese Saison bin ich das erste mal im C-Kader. Die Saisonen zuvor war ich schon im D/C-Kader und C2-Kader. Im C-Kader werden deutlich mehr Lehrgansmaßnahmen angeboten als in den unteren Kadern. Da ich ja noch zur Schule gehe und nächstes Jahr mein Abi mache, werde ich nicht an allen LGs teilnehmen können. Es werden natürlich auch hohe Erwartungen an einen gestellt, die man zu erfüllen versucht. Desweitern werde ich in diesem Jahr an mehreren Leistungskontrollen teilnehmen.

Startest Du im Herbst eigentlich schon bei den DM der Großen?
Ja, diesen Sommer starte ich das erste mal. Bin schon gespannt was mich erwartet. Ich freue mich schon sehr darauf, endlich einmal mit Lena, Kati und den anderen deutschen Biathletinnen ein Rennen zu laufen.

Wer gehört von den "Etablierten" zu Deinen Vorbildern?
Am meisten beeindruckt bin ich von Magdalena Neuner, Kati Wilhelm und Helena Jonsson. Lena ist einfach ein Lauftalent. Ihre jugendliche Lockerheit und Bodenständigkeit machen sie zu einer sympatischen Biathletin. Kati ist dafür bekannt, neu erworbene Trainingsmethoden schnell umzusetzen und Helena punktet bei mir mit ihrer Konstanz im Schießen.

Noch ein paar Worte zu Deiner Familie…
Ich komme aus einer sehr sportlichen Familie. Meine Mutter hat als Langläuferin früher auch Leistungssport gemacht. Mein Vater geht sehr gern auf den Berg und fährt gern Mountainbike. Mein kleiner Bruder hat letzten Winter das Freeski fahren für sich entdeckt und spielt in Bergen Fußball.

Was macht die private Christina ohne Biathlon?
In meiner Freizeit versuche ich möglichst viel mit meinen Freundinnen zu unternehmen. Wir gehen shoppen, Kaffee trinken oder machen sportliche Aktivitäten. Im Sommer gehe ich sehr gerne schwimmen an den See. Aber manchmal bin ich einfach nur froh, zu Hause zu sein und zu relaxen. Am Ende der Saison gehe ich sehr gerne Snowboarden.

Du wirst im Sommer 18, worauf freust Du Dich am meisten?
Endlich alleine Autofahren und länger als 24Uhr weggehen zu dürfen (lacht).

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg im kommenden Jahr!