Judith Wagner im Interview: „Das Klima im Team ist einfach super!“

29.09.2009 Viktoria Franke
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Judith Wagner Die Sommerbiathlon-WM in Oberhof ist Geschichte. Das wird wohl auch bedeuten, dass es in den Herzen der deutschen Biathlon-Fans vorerst wieder schwer sein wird, für die Sommerversion des beliebten Wintersports einen Platz zu finden. So konnte man das auch während der WM beobachten. Waren zu den Cross-Wettkämpfen nicht einmal 1.000 Zuschauer pro Tag anwesend, kamen mit den Winterbiathleten auf Rollern auch die Zuschauermassen. Das sind die Sommerläufer mittlerweile jedoch gewohnt, auch wenn es genug Gründe gäbe, das Team des Deutschen Schützenbunds auch in den nächsten Jahren – ohne Heim-WM – zu unterstützen, wie uns im Gespräch mit Deutschlands Sommerbiathletin Nummer 1, Judith Wagner, aufgefallen ist.

Judith, wie ist Dein Eindruck nach der Sommerbiathlon-WM in Oberhof?
Von den Zuschauern und der Organisation her war es wirklich ein tolles Erlebnis, so eine Heim-WM bestreiten zu dürfen. Nur hätte ich von mir selbst vielleicht ein wenig mehr erwartet. Bei der Europameisterschaft wurde ich Achte, das hätte ich hier gern auch wieder gezeigt. Aber da habe ich mir vielleicht selbst zu viel Druck gesetzt. Das ist aber auch recht schnell nach den Wettkämpfen abgehakt gewesen und ich habe die Tage dann auch als Zuschauerin genossen.

Wie kommt man denn eigentlich zum Sommerbiathlon?
Eher durch Zufall, denke ich. So war es zumindest bei mir. Ich bin eigentlich Leichtathletin und habe vor allem auf der Langstrecke Wettkämpfe bestritten. Wir waren im Training immer drei Mädels und 2002 ist einer vom Schützenverein zu uns gekommen und hat uns vorgeschlagen, doch mal Sommerbiathlon auszuprobieren. Da war natürlich genug Spaß und Abwechslung dabei, dass man leicht bei diesem Sport bleibt.

Man hört immer wieder von dem Vergleich zum Biathlon, vor allem beim Schießen. Was ist da anders?
Der grundlegende Unterschied beim Schießen ist, dass man mit voller Geschwindigkeit an den Schießstand anläuft. Im Winter fährt man die letzten Meter aus, hier kann man sich das bei internationalen Wettkämpfen nicht leisten. Da geht es um jede Sekunde. Daher fällt das Schießen natürlich auch schwerer, da man noch ganz anders atmet.

Ein weiterer großer Unterschied scheint zu sein, dass ihr keine Profis seid, oder?
Ja, das ist ein Fakt, den viele vergessen. Bei uns hat keiner die Zeit, die ein Profisportler für sein Training hat. Wir müssen alle nach der Arbeit oder der Ausbildung noch trainieren gehen. Der Beruf geht zwar in dem Fall vor, aber der Sport ist natürlich auch zeitaufwendig. Jeden Tag sollte man mindestens eine Einheit laufen und dann kommt auch noch das Schießen hinzu.

Welchem Beruf gehst Du derzeit nach?
Ich bin seit Juli 2008 Kommissar-Anwärterin bei der Landespolizei in Baden-Württemberg. Ich hatte mich direkt für den gehobenen Dienst beworben und werde dann in zweieinhalb Jahren mit dieser Ausbildung fertig sein. Wieviel Zeit ich dann noch für den Sport habe und wo es mich hinverschlägt, das werde ich dann sehen.

Wie sieht Dein Training nebst dieser beruflichen Verpflichtungen aus?
Wie gesagt, gibt es eben die Laufeinheiten. Vor den Wettkämpfen verzichtet man dann ein wenig auf den Umfang und arbeitet mehr an Schnelligkeit und Intensität. Das Schießtraining wird von meinem Vater überwacht, der sich das Ganze selbst angeeignet hat bzw. auch mal bei unseren Trainingslehrgängen mit war, um dort dazuzulernen. Mittlerweile weiß er schon ganz gut, wenn an meiner Position etwas nicht passt oder ich andere Dinge falsch mache. Die Trainingslehrgänge bringen uns dann alle zusammen und dann wird speziell an Kleinigkeiten gearbeitet.

Judith Wagner Im Biathlon kennt man spezielle Orte, aber wo finden denn Eure Trainingslager statt?
Unsere Camps sind nicht so auf gewisse Orte beschränkt, wie die der Winter-Biathleten. Wir brauchen eigentlich nur die Schießmöglichkeiten. Wir fahren zwar schonmal hier nach Oberhof, nehmen aber auch die Trainingsmöglichkeiten in Schießhallen wahr, wie in Suhl oder Wiesbaden. Da wir zwischen Januar und Mai meist unsere Lehrgänge haben, muss man eben auch mal das Training nach Drinnen verlagern. Im Juli beginnt dann normalerweise immer die Saison und dann hat man keine Zeit mehr für viel spezifisches Training.

Wie schaut das bei Dir aus, steht da die ganze Familie hinter Deinem Sport und Deiner Karriere?
Ohja! Die waren natürlich auch in Oberhof, um mich zu unterstützen. Meine beiden Schwestern sind eh meine größten Fans!

Gibt es sonst Unterstützung für Dich – zum Beispiel aus der Wirtschaft?
Ja, mittlerweile habe ich mit den Imnauer Fürstenquellen auch einen Sponsor gewonnen. Das kam aber vielmehr daher, weil ich in unserer Region auch viele Laufwettkämpfe bestreite und mich dann ein Nachbar aus dem Dorf meinem Sponsor empfohlen hatte.

Da fällt es sicher auch leichter, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, oder?
Die Unterstützung ist schon toll, das stimmt. Aber das wichtigste für mich ist, dass es mir noch Spaß macht. Und derzeit ist das Klima in der Mannschaft einfach super und die Rennen machen auch Spaß. Wir wissen zwar noch gar nicht, ob es nächstes Jahr eine Cross-WM gibt, aber da warte ich einfach ab und schau, wie sich das alles entwickelt. Ich will einfach so lange weitermachen, wie ich noch kann…

Dann viel Erfolg dabei und danke für das Gespräch, Judith!


Deutsche Meisterschaften und Sommerbiathlon WM, September 2009


Sommerbiathlon-WM in Oberhof (21.09. – 27.09.2009)