Überblick über die internationalen Rücktritte im Biathlon

31.03.2010 Viktoria Franke
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Goodbye Dass Simone Hauswald, Kati Wilhelm und Martina Beck ihre Karriere mit dem Biathlon-Weltcup in Khanty-Mansiysk beendet haben, wurde bereits in vielen Medien publik gemacht. Mit den drei Frauen geht eine auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, die beste deutsche Olympiateilnehmerin und die erste deutsche Gesamtweltcupsiegerin. Der Verlust im deutschen Team wird schon anhand dieser Labels überdeutlich. Ebenfalls bereits im Januar beendete Carsten Pump seine Karriere.

Doch auch für andere Teams wird die nächste Saison nicht leicht. In vielen Nationen gab es fast schon traditionell nach einer Olympiasaison Rücktritte zu vermelden.

Sylvie Becaert Frankreich – Drei große Namen gehen
Der Rücktritt von Sandrine Bailly und Sylvie Becaert wird für die französischen Damen ein herber Rückschlag sein. Vor allem für die Staffel, die immer wieder zu den Podiumsfavoriten zählt. Vor allem Bailly, die sich mit dem Gesamtweltcupsieg im Jahr 2004/2005 die Biathlon-Krone aufsetzte, wird im Team fehlen. Dass sie ihr Karriereende schließlich mit einem erneuten Podium in Khanty-Mansiysk feiern würde, hatte sie wohl selbst nur gehofft: "Dieser zweite Platz im Massenstart war das perfekte Ende meiner Karriere. Das hätte ich wirklich nicht erwartet, so viel ist in dieser Saison schief gelaufen. Aber ich wollte einfach noch einmal was ganz Besonderes in meinem letzten Rennen zeigen. Und das ist mir gelungen!"

Bei den Männern waren es die „jungen" Athleten, die in dieser Saison den Ton angaben. Dass mit Vincent Defrasne jedoch ein Olympiasieger das Team verlassen wird, dürfte trotz der derzeitigen Erfolge der Fourcade-Brüder oder Vincent Jays auffallen. „Ich will nicht erst in Sotschi aufhören, das ist mir zu lange hin. Demnach habe ich jetzt keine Olympischen Spiele mehr, die mich motivieren könnten!", so Defrasne. Dem Sport will er dennoch auf die eine oder andere Art verbunden bleiben.

Halvard Hanevold Norwegen – Verlust der Stütze im Team
Im norwegischen Team sind in den letzten Jahren immer wieder neue, starke Namen gekommen oder langjährige Wegbegleiter von der Bildfläche verschwunden. Einer schien jedoch immer da zu sein: Halvard Hanevold. Geht man nach seinen Teamkollegen, dann waren es „gefühlte 50 Jahre, die er im norwegischen Biathlon war". Dass er stundenlang ein Thema diskutieren konnte, selbst wenn niemand mehr zuhörte, werden sie nicht vermissen. Wohl aber seinen Humor und die Atmosphäre die er im Team zwischen den „Alten" und „Jungen" schaffte. Im Gegensatz zu Hanevolds Abschied in Khanty verabschiedete sich seine norwegische Teamkollegin Liv Kjersti Eikeland eher sang- und klanglos am Holmenkollen.

Ruecktritte Russland – Abschied zweier Größen
Nikolay Kruglov stand lange Zeit für gute russische Ergebnisse. Die letzten Winter liefen für den viermaligen Weltmeister jedoch nicht wie geplant, die Motivation fehlte schließlich. Beim Sprint in Khanty-Mansiysk gab er schließlich winkend seinen Abschied vor den russischen Fans. „Ob ich meine Entscheidung in ein paar Monaten wieder bereue und ein Comeback starte, weiß ich auch nicht. Aber derzeit ist es für mich die richtige Entscheidung", so Kruglov. Ebenfalls zurücktreten wird nach den russischen Meisterschaften Olga Medvedtseva, die ihre vielen Erfolge in diesem Jahr noch einmal mit dem Staffel-Olympiasieg krönen konnte. Ebenfalls nie in Vergessenheit geraten werden jedoch auch die Dopingvorwürfe und -Sperre gegenüber der Russin, die in Turin 2006 noch unter ihrem Mädchennamen Pyleva ins Visier der Dopingfahnder geraten war.

RuecktritteInternationale Rücktritte
Neben den großen Teams haben auch viele kleine Teams Rücktritte zu beklagen. So verlässt der Einzel-Weltmeister von 2005, Roman Dostal, nach zuletzt enttäuschenden Ergebnissen das tschechische Team. Mit Ilmars Bricis, der im gleichen Jahr WM-Bronze im Sprint geholt hatte, hat der stärkste lettische Biathlet in Khanty-Mansiysk seinen Abschied gegeben. Nachdem er den Sprung auf den Olympia-Zug verpasst hatte, wird auch der Schwede David Ekholm vom aktiven Sport Abschied nehmen. Seine Karriere krönte der Verlobte von Helena Jonsson im letzten Jahr mit WM-Silber in der Mixed-Staffel in Pyeongchang.

Ohne WM-Medaille, aber dennoch international den Biathlon-Fans ein Begriff, werden auch Sandra Keith (CAN), Olga Nazarova (BLR) und Olga Kudrashova (BLR) in der nächsten Saison nicht mehr am Start sein. Wie der Weggang der letzten beiden das weißrussische Team beeinflusst und was die weiteren Pläne sind, lest ihr morgen auf Biathlon-Online.de im Interview mit dem Erfolgs-Trainer der Weißrussinnen, Klaus Siebert.