Am Rande: Interview mit dem ungarischen Biathleten Károly Gombos

04.02.2013 Viktoria Franke
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Karoly GombosWenn in wenigen Tagen die Biathlon-WM beginnt, sind die Augen der Fans meist auf die Stars aus Deutschland, Norwegen, Russland oder Frankreich (um nur einige zu nennen) gerichtet. Doch immer wieder sorgen auch kleinere „Biathlon-Nationen“, wie Brasilien, Neuseeland, Spanien oder eben Ungarn für kleine Erfolgserlebnisse. Zählen dazu in unseren Maßstäben nur Podiumsplätze, freuen sich die Athleten dieser Länder meist schon über einen Platz in den Weltcup-Punkten. Denn was hier fehlt, ist klar: Die professionelle Betreuung durch Trainer, Service-Leute, Physios, u.v.m., die bei den großen Nationen mittlerweile Standard sind. Um einen kleinen Einblick in diese Nationen zu erhalten, haben wir uns mit dem ungarischen Biathleten Károly Gombos unterhalten.

Warum hast du ausgerechnet mit Biathlon angefangen? Seit wann betreibst du den Sport?

Das erste Mal sah ich Biathlon auf Eurosport mit englischen Fachkommentaren. Es gefiel mir auf Anhieb! Wenig später beobachtete ich in der Slowakei beim Skifahren einen Typ, der sich auf ein Paar schmalen Skiern in einen dichten Wald aufmachte. In diesem Moment ist es mir klar geworden, dass diese Sportart wie für mich gemacht ist.

Als Langstreckenläufer habe ich früher in Ungarn in meiner Altersgruppe ganz gute Resultate erreicht. Mein erstes Biathlon-Rennen bestritt ich im Jahre 2005. Im letzten Rennen der Saison habe ich es sogar geschafft, innerhalb der Weltcup-Zeitnorm zu bleiben.

Welches war dein größter Erfolg bzw. größtes Abenteuer im Laufe der Jahre?

Besonders stolz bin ich auf ein EM-Rennen in Nove Mesto im Jahre 2008, wo ich im 20km Einzel-Rennen von 20 Schüssen 18 Scheiben getroffen habe und auf dem 50. Platz landete.

Abenteuer gab es viele Seit dem ich 2005 mit Biathlon anfing…Ein lustiges Erlebnis hatte ich erst vor kurzem beim IBU-Cup in Ostrov. Ein spanischer Biathlon-Kumpel und ich gingen in eine echte mit Holz befeuerte russische Sauna, wo gleichzeitig auch ein paar lokale Besucher saunierten. Letzten Endes haben sie solch eine Sauna-Party veranstaltet, dass ich am nächsten Tag kaum aufstehen konnte.

Welches Potenzial hat die ungarische Biathlon-Mannschaft?

Nach meiner Ansicht besitzen auch die Athleten kleinerer Mannschaften ein großes Potenzial. Das beste Beispiel hierfür ist die Familie Sloof aus den Niederlanden. Für die kleinen Mannschaften ist es eine große Herausforderung, den organisatorischen Rahmen für die  harten Trainingseinheiten zu schaffen. Um richtig gute Ergebnisse zu erzielen fehlen noch eine Menge Komponenten, aber ohne eine funktionierende Hintergrundorganisation gelingen Bravourleistungen nur allzu selten.

In der ungarischen Mannschaft hat im Moment Emőke Szőcs die reellsten Chancen, um unter die besten 60 zu kommen.

Karoly GombosWelches Helfer-Team steht hinter euch?

Von einem Helfer-Team können wir nicht reden. Was die diesjährige Saison betrifft, nahmen wir an den ersten zwei Weltcups ohne Trainer Teil. Nach Pokljuka begleitete uns eine sehr engagierte ehemalige Biathletin, Brigitta Berecki. Unsere Langlaufski werden oft von Wachs-Herstellern vor Ort oder freundlicherweise von Wachs-Meistern anderer Nationen präpariert.


Wie wird eure Vorbereitung auf die Winter-Saison finanziert?

Unsere Vorbereitung finanzieren wir zum Großteil aus eigener Tasche. Ich persönlich habe mein Gewehr, Munition und die Langlaufski selbst gekauft. Das gesamte Jahr über bereite ich mich neben meiner Arbeit auf die Weltcup-Saison vor. Da ich in Budapest Wein- und Gartenbau studiert habe,  arbeite ich im Herbst besonders hart als Winzermeister in Frankreich. Es kommt regelmäßig vor, dass wir dabei mehr als neunzig Stunden pro Woche arbeiten. Daneben ist es kaum noch möglich zu trainieren. Nur dank dieser Jobs bin ich aber in der Lage, ohne Einkommen über den Winter zu kommen. Im August 2012 habe ich ein Ferienhaus in Ramsau am Dachstein gemietet, das ich nun betreibe. Der ungarische Skiverband versucht uns zwar zu unterstützen, das gelingt ihnen aber nicht wirklich. Hoffentlich gibt es in Zukunft eine Besserung.

 

Welchen Stellenwert nimmt der Wintersport in Ungarn ein? Gibt es Fernsehübertragungen?

Wintersportarten sind in Ungarn sehr beliebt. Gerade deshalb, weil es in Ungarn schwierig ist, Schnee-Sportarten zu treiben. Die Zuschauer verfolgen gerne alle Biathlon-Weltcups aus ihrem warmen Wohnzimmer, die allesamt durch Eurosport mit ungarischem Fachkommentar übertragen werden.

Helfen sich die kleineren Mannschaften unter einander aus?

Ja. Der Zusammenhalt zwischen den Teams kleinerer Nationen ist ziemlich stark. Es kommt oft vor, dass ein Team ohne Trainer anreist. Diejenigen mit Trainer sind immer hilfsbereit und unterstützen, wo sie können. Diese Community hat ein großes Zusammenhörigkeitsgefühl.

Ich, für meinen Teil, bin sehr gut mit slowenischen, französischen, holländischen, australischen, grönländischen, serbischen und spanischen Biathleten befreundet.

 

Womit beschäftigst du dich neben dem Biathlon?

Neben dem Biathlon beschäftige ich mich mit Landschafts- und Gartenbau, mit dem Betrieb eines Ferienhauses und mit dem Weinbau. Ich würde es jedoch gerne mal ausprobieren, wie es ist, sich als Vollprofi auf eine Saison vorzubereiten. Vielleicht nächstes Jahr J

Vielen Dank für die Fragen!