Michael Greis: „Mein Studium ist mir sehr wichtig“

31.01.2014 Ilka Schweikl
biathlon-online.de – Das Biathlon Portal in DeutschlandBiathlon-NewsMichael Greis: „Mein Studium ist mir sehr wichtig“

greis michiWährend des IBU-Cups in Ruhpolding haben wir den Ex-Biathleten Michael Greis getroffen. Der Olympiasieger, Weltmeister und Gewinner des Gesamtweltcups hat am 5.12.2012 seinen Rücktritt vom Leistungssport erklärt. Da er noch der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört, kann er in diesem Rahmen den jungen Biathleten im IBU-Cup etwas von seiner Erfahrung weitergeben. Spontan hat er sich zu einem kurzen Interview bereit erklärt.

 

Man sieht Sie hier als Betreuer beim IBU-Cup. Haben wir da etwas verpasst?

Nein, ich bin ja schon das ganze Jahr als Betreuer im IBU-Cup dabei gewesen. An der Seite von Andi Stitzl und Rüdiger Schöllmann versuche ich das Team in allen Bereichen ein wenig zu unterstützen. Jetzt sind wir zum Glück hier in Ruhpolding, was ja gar nicht so weit weg ist von meinem Zuhause. Ich komme jetzt gerade vom Skitesten und nun geht es auf die Strecke Richtung Wettkampf.

Ist das eine längere Zusammenarbeit, denn Sie studieren ja derzeit, oder haben Sie Ihr Studium unterbrochen?

Das Studium ist mir sehr wichtig. Ich bin mittlerweile im 4. Semester und möchte es natürlich abschließen. Im IBU-Cup helfe ich ganz gerne aus und war schon die ganze Saison in Skandinavien, Ridnaun und jetzt hier in Ruhpolding dabei.

Wir haben kürzlich mit Ali Wolf gesprochen, der mit Unterstützung des DSV eine Ausbildung zum Diplom-Trainer in Köln macht. Ist bei Ihnen auch etwas in diese Richtung geplant?

Ich bin jetzt erst mal hier dabei, unterstütze das Team und gleichzeitig studiere ich in Ansbach Internationales Management. Mein Schwerpunkt ist das Studium und was danach kommt, dass werde ich auf mich zukommen lassen.

greis michi2Kann man trotzdem davon ausgehen, dass Sie irgendwann beim DSV im Trainerbereich einsteigen?

Das weiß ich momentan nicht, es werden sicherlich noch ein paar Gespräche diesbezüglich stattfinden. Nach dem Studium habe ich eine gute Basis und sicherlich mehrere Optionen. Auf alle Fälle freue ich mich auf die Zukunft und bin selbst gespannt, wohin die Reise geht.

 

 

Wie schätzen Sie die Leistungen hier im B-Kader bzw. beim Nachwuchs ein?

Das IBU-Cup Team ist sehr gut aufgestellt und auch die entsprechenden Leistungen sprechen für sich. Das Niveau im IBU-Cup ist mittlerweile sehr hoch und hier sind Top-Läufer dabei, die auch im Weltcup mitlaufen können. Hier gilt es für die Jungen sich bestmöglich vorzubereiten, um auch einmal im Weltcup ganze vorne zu landen.

Welche Medaillenchancen räumen sie unseren Biathleten bei Olympia in Sotchi ein?

Ich hoffe natürlich auf sehr gute Ergebnisse. Im Vorfeld lief es etwas holprig in den Einzelrennen, die Staffeln waren durchaus sehr erfolgsversprechend. Jetzt gab es zum Glück sehr, sehr tolle Ergebnisse in Antholz, was auf eine ansteigende Formkurve hinweist. In den Staffeln ist die Chance auf Edelmetall am Größten. Die Tendenz zeigt nach oben und das ist sehr erfreulich. Jetzt gilt es einfach den Schwung mitzunehmen und in Sotschi mit Topform an den Start zu gehen. Dann werden die Karten neu gemischt.

Eine Frage zur Vorbereitung der Athleten. Sie haben sich ja gern separat vorbereitet. Sehen sie diesbezüglich auch Änderungsbedarf für unsere Biathleten?

Das Zusammenspiel zwischen Trainer und Athlet ist in dieser Phase natürlich sehr wichtig. Momentan wird den Sportlern genügend Freiraum für individuelle Trainingsformen gewährt. Das war in der Vergangenheit manchmal etwas schwieriger. Die Vorbereitung für die Olympischen Spiele ist etwas Besonderes und ich erachte es als durchaus wichtig, dass die Athleten ihr Training mit dem eigenen Körpergefühl abgleichen. Jeder geht mit anderen Grundvoraussetzungen rein und sollte die sensible Phase bestmöglich nutzen. Ich hoffe, dass sich die Biathleten in Ridnaun den nötigen Feinschliff holen. Für mich gilt: Daumen drücken. Ich bin ja zum Glück auch in Sotchi dabei und freu mich auch schon drauf. Ich möchte natürlich die eine oder andere Medaille der deutschen Biathleten feiern.

Bei den deutschen Athleten ist es doch im Moment so, dass sie das Laufen und das Schießen nicht zusammenbringen: das eine Mal wird super gelaufen, das andere Mal passt das Schießen. Andere Nationen haben teilweise Schießtrainer und in Deutschland hatten wir das auch schon. Sollten da etwas verändert werden? Wie ist Ihre Meinung dazu?

Konzeptionell sucht der DSV ständig nach Verbesserungen. Sicherlich gilt es auch in Zukunft neue Potenziale zu erschließen. Momentan sind die Trainer sehr gut im Lauf- bzw. Schießbereich ausgebildet, damit die Athleten Spitzenleistung erbringen können. Gleichzeitig schläft natürlich die Konkurrenz nicht. Die Erwartungen sind die letzten Jahre enorm gestiegen und es wäre wünschenswert, wenn der nächste Emil Hegle Svendsen aus unseren Reihen kommt. Es sollte weiterhin der Nachwuchs stärker aktiviert werden, da aus einer breiten Basis mehrere den Sprung nach ganz oben schaffen können. Der Leistungsgedanke ist in frühen Jahren schon enorm hoch, dass ein gewisser Druck entsteht. Für Jugendliche ist es wichtig, sich für eine Behördenstelle anzubieten. In dieser Phase sind manchmal andere Dinge im Leben genauso spannend. Die Entscheidung sich voll und ganz auf den Sport zu konzentrieren ist nicht ganz einfach, da sollten Rahmenbedingungen optimal sein – denn Biathlon kann man leider nicht überall betreiben.

Wir von biathlon-online wünschen Michael Greis alles Gute für seine künftigen Vorhaben und freuen uns auf weitere Zusammentreffen im Biathlon-Zirkus.