Wolfgang Pichler: Wo führt seine Reise hin?

05.02.2014 Ilka Schweikl
biathlon-online.de – Das Biathlon Portal in DeutschlandBiathlon-NewsWolfgang Pichler: Wo führt seine Reise hin?

pichler wolfgang2Wolfgang Pichler hat in einem Interview mit der russischen Sport-Zeitung „Sport-Express“ bekannt gegeben, dass er bereit ist, zum deutschen Zoll zurückzukehren. Beim Amtsantritt als Trainer der russischen Damenmannschaft hat er beim Zoll den Antrag gestellt, ohne Bezüge beurlaubt und dort wieder eingestellt zu werden, wenn er in Russland aufhört.

  Dass es mit dem russischen Verband und seinen dominanten Leuten für ihn nicht einfach werden würde, das konnte man erwarten. Aber einem gestandenem Mann wie Wolfgang Pichler dem konnte man es zutrauen. Er hat auch nie ein Blatt vor den Mund genommen, vor allem wenn es um Doping ging. Er ist und war immer ein Anti-Doping-Kämpfer und damit manchmal auch unbequem. Nach dem letzten (oder besser vorletzten) großen Dopingskandal in Russland sagte er 2009 in einem Interview: „Die Russen haben uns seit Jahren verarscht, die gehören rausgeschmissen.“ Und trotzdem hat er sich auf diese schwierige Mission eingelassen, obwohl er damals angeblich sogar Morddrohungen erhalten hat.

Er wollte aus den vielen russischen Talenten eine gute Olympiamannschaft aufbauen, nach seinen Vorstellungen und seiner Ideologie. Aber Knackpunkt war die WM in Nove Mesto na Morave letztes Jahr: Seine Damen waren mehrmals unter den Top10, aber eine Medaille haben sie nicht geholt. Nach offenen, ehrlichen und fairen Gesprächen (so Pichler), wurde bereits im April letzten Jahres wegen „Erfolglosigkeit“ (laut Pichler die offizielle Begründung) seine Verantwortung dadurch eingeschränkt, dass man ihm zwei russische Trainer zur Seite gestellt hatte. Als Verantwortlicher für das funktionelle Training blieb er im Trainerstab. Er sagte damals, dass er mit dieser Lösung gut leben könne. Aber klar ist auch, dass sein Dreijahresvertrag nach Sotchi ausläuft.

pichler wolfgang3Ob der Ruhpoldinger Wolfgang Pichler nach Olympia tatsächlich wieder seinen Dienst beim Zoll antritt, scheint noch nicht ganz sicher zu sein. Er hat nach seinen eigenen Angaben unter anderem auch das Angebot, zu den Schweden zurückzukehren. Der bayerische Erfolgstrainer hatte vor seinem Wechsel als erster ausländischer Cheftrainer in Russland große Erfolge mit dem schwedischen Damen-Biathlonteam. 16 Jahre war er dort und trainierte bis 2011 auch die dortige Herrenmannschaft. Magdalena Forsberg konnte er unter seinem Training zu insgesamt sechs Gesamtweltcupsiegen und mehreren Weltmeistertiteln führen.

Große Erfolge bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin konnte er als Trainer mit Anna Carin Olofsson feiern, die dort die erste Goldmedaille für eine schwedische Biathletin holte, als sie Olympiasiegerin im Massenstart wurde. Bei den Weltmeisterschaften 2007 in Antholz gewann die schwedische Mixed-Staffel Gold und 2009 in Pyeongchang war es Helena Jonsson, die in der Verfolgung Gold holte. Sie war es auch, die 2008/2009 den Gesamtweltcup gewann. In Schweden ist Wolfgang Pichler ein geschätzter Trainer. 2007 erhielt er dort den Sportspegelns secialpris für seine Leistungen für den schwedischen Biathlon. Lassen wir uns überraschen, wo Wolfgang Pichlers Reise hinführt.

Wolfgang Pichler sagte der „Sport Express“, dass er neben dem Angebot nach Schweden zurückzukehren noch zwei weitere Angebote habe. Welche das sind, ist nicht bekannt. Er wird sicherlich die für ihn richtige Entscheidung treffen und wer weiß, vielleicht ist ja auch eins dabei, das näher bei seiner Heimat, dem Chiemgau, liegt. Aber ein Mann wie er ist sicherlich für eine Überraschung gut und eigentlich wäre es viel zu schade, wenn er sich aus dem Biathlonzirkus verabschieden würde. Zu gern haben wir ihn am Streckenrand seine Läuferinnen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften anfeuern sehen.

 Die von ihm betreuten Biathletinnen Olga Zaitseva, Ekaterina Shumilova, Yana Romanova, Ekaterina Glazyrina und Olga Vilukhina haben sich für die Olympischen Spiele in Sotchi qualifiziert. Pichler wäre zum Abschluss zu wünschen, dass gerade eine von „seinen“ Athletinnen eine olympische Medaille im eigenen Land holt.