Sind es wirklich nur drei Millimeter?

12.02.2014 Ilka Schweikl
biathlon-online.de – Das Biathlon Portal in DeutschlandBiathlon-NewsSind es wirklich nur drei Millimeter?

titel neu peter richterDie sollen ja angeblich Simon Schempp bei seinem letzten Schuss gefehlt haben, um die olympischen Bronze-Medaille in der Verfolgung einzufahren. Quatsch! Der sechste Platz zeigt viel mehr das wahre Problem der deutschen Männer.

Schempp, der wirklich ein gutes Rennen in der Verfolgung gezeigte hat, konnte im entscheidenden Moment in der Loipe nicht mithalten. Das beweist ein Blick auf das letzte Schießen. Zusammen mit dem 40-jährigen Ole Einar Björndalen stand er beim Stehendanschlag. Beide verfehlten eine Scheibe, mussten also in die Strafrunde und dies nahezu zeitgleich.

Im Ziel kämpfte der Oldie aber noch um Bronze und hatte schließlich um 1,7 Sekunden das Nachsehen. Der 25-jährige Deutsche lag 14,9 Sekunden hinter dem ersehnten dritten Platz. Schempp hat somit den Kampf um die Medaille auf der Strecke verloren und nicht am Schießstand.

Im Sprintrennen war es genauso. Trotz fehlerfreier Schießleistung lag er 42,9 Sekunden hinter Olympiasieger Björndalen, der immerhin einen Fehler schoss und 150 Meter mehr laufen musste. Der Norweger war somit fast eine Minute über die 10-km-Strecke schneller.
Was läuft falsch im deutschen Training? Ein Blick auf die Laufzeiten der vergangenen vier Jahre belegt, wirklich schneller geht‘s nicht zu.

Martin Fourcade und Emil Hegle Svendsen gaben immer den Ton an, ohne aber riesige Sprünge in der Laufzeit zu machen. Die Deutschen kommen einfach nicht konstant ran. Was vor allem auffällt, gerade bei Saisonhöhepunkten reicht es nicht. Liegt es an den Fähigkeiten der Athleten, der Vorbereitung in Ridnaun oder an der Trainingsmethodik?

Seit der Saison 2010/11 haben Mark Kirchner und Fritz Fischer die Verantwortung. Ihre WM-Ausbeute: ein Sprint-Titel von Arnd Peiffer 2011 und zweimal Staffel-Bronze (2012, 2013). Sonst gab‘s immer nur Schönrederei und die Hoffnung auf das nächste Jahr.

Ist das wirklich der Anspruch einer biathlonverrückten Nation? Okay, die Zeiten von Sven Fischer & Co. sind vorbei, das haben viele akzeptiert. Aber Athleten wie Arnd Peiffer, Christoph Stephan, Andreas Birnbacher sind seit Jahren im Weltcup-Zirkus, haben Erfahrung und das Können. Der Trainerstab wirkt hilflos. Dabei sahen die Vorzeichen anhand der Weltcup-Resultate doch gut aus. Ein Sieg, zwei zweite Plätze und ein dritter Rang zusammen mit Top-Ten-Resultaten gaben Grund zur Vorfreude bei den Männern – zumal sie in den Staffelrennen glänzten. Haben sich alle blenden lassen?

Am Ende bleibt die Hoffnung, dass im morgigen Einzel der Knoten platzt, dass beim Massenstart und der Staffel die Medaille kommt. Wenn nicht, müssen die Verantwortlichen im Skiverband endlich Konsequenzen ziehen und nicht das Bauernopfer suchen…